Recruiting 2.0

Wie war das damals noch wenn man arbeitslos war? Richtig, man ist zum Arbeitsamt gegangen, hat sich arbeitslos gemeldet und ist immer wieder hingegangen um sich neue Jobangebote zu besorgen. Das war früher die Hauptaufgabe, die ein Arbeitsloser hatte. Nach und nach wurden auch in Zeitungen Stellenangebote inseriert und der zeitgemäße Arbeitslose hatte schon mehr Zeit, sich um andere Dinge zu kümmern. Heutzutage jedoch hat, wie natürlich auch wieder der zeitgemäße Arbeitslose,  jeder einen PC und einen Internetanschluss. Alles andere wäre in unserer Zeit ja auch eine Verletzung der Menschenrechte.

Wie dem auch sei, zeigt sich der Trend, heute alles digital zu erleben, wie das Treffen mit Freunden via facebook oder der Gesprächsersatz durch Skype, ICQ und Co, auch bei der Jobsuche. Jede Firma hat mittlerweile ihre IT-Spezialisten, die Webseiten administrieren, Jobangebote aktualisieren und natürlich auch das Internet nach den vermeintlichen neuen Bewerbern absuchen und so jeden kleinen Fehltritt mitbekommen, den die Freunde jemals dokumentiert haben.

Dieses Spionieren hat natürlich eine neudeutsche Bezeichnung, hört auf den Namen Social Screening und ist ein Teil des Recruting 2.0. Das bedeutet, dass jeder, der sich irgendwo bewirbt von oben bis unten durchleuchtet wird.

Da die meisten neuen Trends aus den USA zu uns über den großen Tech schwappen, fangen wir auch hier wieder mit einem Blick auf die neue Welt an:

Laut einer, schon im Seminar erwähnten, Studie auf http://juliangrandke.de/socialmedia/social-screening-bewertung-von-bewerbern-anhand-von-social-media-aktivitaten-infografik/ haben in den USA 2009 schon 45% der Unternehmen ihre Bewerber „gegoogelt“.

– Ja, dieses Wort gibt es wirklich. Ein weiteres Produkt der „Web 2.0 Gesellschaft“. 2004 hat es sogar den Sprung in den Duden geschafft. Wer es mir nicht glaubt, kann es hier nachlesen[http://de.wiktionary.org/wiki/googeln]. – Doch zurück zum eigentlichen Thema:

Von diesen 45% der amerikanischen Firmen haben sich unter anderem 29% auf Facebook schlau gemacht. Als nächster großer Wissensspeicher wäre noch LinkedIn mit 26% zu nennen. Der Rest ist eher marginal, allerdings auch nur aus dem Grund, da nicht jeder einen eigenen Blog hat und Twitter eine Zeichenlängenbegrenzung bei den Nachrichten hat. Bei Facebook hingegen kann jeder alles schreiben und wenn man als Spion seines Betriebes einen kennt, der jemanden kennt, der jemanden als Freund hat, ist es bei den meisten Privatsphären-Einstellungen ein Leichtes, Informationen über ziemlich jede Person zu bekommen. Das dieser Trend auch bei uns früher oder später Einzug hält, ist vorauszusehen.

Allerdings sind viele Firmen noch gar nicht auf diesen modernen Zug, des modernen Zusammenlebens mittels Bits und Bytes aufgesprungen. Der Trend in diese Richtung ist zwar zu sehen, allerdings hat sich die Vernetzung des Internet erst in den letzten Jahren so weit entwickelt, um all diese Dinge zu ermöglichen.  Das ist auch einer der Gründe, warum viele Unternehmen das Screening noch nicht anwenden. Ein wichtigerer und vor allem lobenswerterer Grund hingegen ist jedoch, dass viele Firmen sagen, dass diese Daten in den sozialen Netzwerken nicht relevant sind. Das ist, in Zeiten der Vorratsdatenspeicherung, ein wichtiger Grund, auf unnützes Datensammeln zu verzichten.

Es gibt Leute, die wollen nicht gefunden werden. Auf der anderen Seite gibt es jedoch Menschen, die es mit einer Internetpräsenz erst recht darauf anlegen, von Firmen entdeckt und durchleuchtet zu werden. Das Zauberwort dabei heißt Personal Branding.

Genau wie im analogen Leben muss man sich stets Gedanken machen, wie man sich präsentiert. Zum einen auf den Sozialen Plattformen, zum anderen aber auch auf einer eigens eingerichteten Präsenz, wie einem E-Portfolio, einem Blog oder einer Website. Vorteil von diesem „Gedanke manchen“ ist Kreativität, die man dabei an den Tag legen kann. Allerdings sollte man es mit seiner Kreativität auch nicht übertreiben.

Als Quintessenz sollte wohl bleiben, dass das Social Screening zwar zugenommen hat, aber noch nicht allzu stark verbreitet ist, es Firmen gibt, die das  schamlos ausnutzen, allerdings auch die meisten noch sagen „Nein, das brauchen wir nicht“ und das man stets aufpassen sollte, was man im Internet schreibt.

In diesem Sinne lade ich jetzt meinen gerade verfassten Text in meinen Blog und hoffe, dass meine späteren Arbeitgeber nicht lesen, wie ich zu der Welt stehe 🙂

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~ von mach42 - 15. Januar 2012.

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